Der 'wichtigste' Baum im Leben eines Hundes

Oft hört man Menschen sagen: "Mein Hund braucht keine Papiere, ich möchte eh nicht züchten!". Auch wenn dieser Spruch verständlich ist, so hat das Eine mit dem Anderen (fast) gar nichts zu tun.
Unter 'Hunden mit Papieren' verstehen wir die 'Papierzucht'. Soll heißen, dass der Hund eine Ahnentafel bekommt. Der sog. Stammbaum ist der wichtigste Baum im Leben des Hundes. Doch warum ist dieser wichtig?
Die Papiere, die der Hund erhält, bezeugen dass all die gemachten Angaben der Wahrheit entsprechen. Die Abstammung wird mit einem Abgleich der DNA-Profile der Eltern von der Zuchtbuchstelle abgeglichen, so dass der Welpenbesitzer sicher sein kann, dass die angeblichen Eltern auch die tatsächlichen Vorfahren des Hundekindes sind.
Im Stammbaum sind die Generationen Eltern, Großeltern, Urgroßeltern und Ur-Urgroßeltern abgebildet. Details zu Wurftagen, Gesundheitsergebnissen, Farbe (bei evtl. voriger Farbverpaarung) und Zuchtbuchnummern. Dies dokumentiert eine lückenlose Nachverfolgbarkeit der Vorfahren. Über den einzelnen Hund sind dort die gleichen Informationen abgebildet (wie z.B. DCM-frei, wenn die beiden Elterntiere frei sind).
Aber nicht nur Details zum Hund sind für den Stammbaum wichtig. Vielmehr hat der Zuchtverein und die Zuchtbuchstelle damit dokumentiert, dass die Welpen gemäß Zuchtordnung aufgezogen und die Eltern zuchttauglich sind. Somit hat der Züchter alle zuchtrelevanten Gegebenheiten eingehalten. Ebenso, dass der Wurf mind. zweimal besichtigt wurde, und die Zuchtstätte durch einen Zuchtwart abgenommen wurde.

Aber warum sind die Papiere den Menschen oft nicht so wichtig?
Es fehlt hier oft an Aufklärung. Unwahrheiten, dass beispielsweise Papiere teurer wären oder gar selbst gedruckt sind, stimmen einfach nicht. Es gibt Vereine, die nicht anerkannt sind (der PSK ist der einzig anerkannte, zuchtbuchführende Verein für die Pinscher- und Schnauzerrassen in Deutschland, und auch standardgebendes Land).
Genau diese sind es auch, die der Papierzucht zu schaffen machen.
Preislich macht eine Ahnentafel nicht mal 5% des Welpenpreises aus.

Ein Mensch, der Hunde in die Welt setzt, und sich dabei keinen Regularien unterwirft um zum Erhalt und Verbesserung der Rasse beizutragen, ist eine Art Vermehrer. Still und heimlich kann er mit den Welpen machen was er möchte, denn schließlich gibt es keine Institution die ihn kontrolliert.
Wir Züchter im FCI/VDH/PSK sind für den Rassezuchtverein transparent, legen alle Dokumente offen, zeigen dem Zuchtwart nicht nur den Wurf, auch die Räumlichkeiten und das gesamte Hunderundel. Und müssen wir doch alle Voraussetzungen erfüllen, die die Zuchtordnung vorgibt. Dazu gehören Gesundheitsuntersuchungen, Zuchtzulassungen, etc. Der Verein bestätigt dies mit dem Stammbaum des Hundekindes.
Zwar garantieren Papiere keinen gesunden Hund, aber Papiere garantieren, dass in ihm das drin ist, was 'drauf' steht. Zudem vermindern Papiere das Risiko dass Krankheiten auftreten, da die Hunde gesundheitlich untersucht worden sind.
Da die Kosten für eine sog. Papierzucht nicht viel größer sind, als 'ohne Papiere' bedeutet für uns, dass ein Mensch, der sich gegen eine Zugehörigkeit im Rassehundverein entscheidet um zu Züchten, dies aus Profit macht oder nicht kontrolliert werden möchte.

Somit hat das Eine mit dem Anderen nichts zu tun. Es müsste eher heißen: "Ich möchte einen Hund mit Papieren, damit ich weiß, was in ihm steckt, Krankheiten evtl. vermindert, der Wurf gemäß Zuchtordnung und unter Gesundheitsaspekten geplant und durchgeführt wurde. Der Züchter wurde kontrolliert und hat alle Vorschriften eingehalten. Sollte der Hund nun noch alles mitbringen, was ich mir vorstelle, dann KÖNNTE (sofern ich möchte) mit ihm züchten!" :)

Der Hund ist ein Ehrenmann; ich hoffe, einst in seinen Himmel zu kommen, nicht in den der Menschen

 - Mark Twain -

Der Hund ist die Tugend, die sich nicht zum Mensch machen konnte

 - Victor Hugo -

Einer der Unterschiede zwischen Hund und Mensch besteht darin, dass man sich in der Not auf diesen niemals, auf jenen aber immer verlassen kann.

- Georges-Louis Leclerc de Buffon -